Kulturerbejahr

KELLER.KULTUR.ERBE

PROJEKT

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 (European Cultural Heritage Year 2018) wird die Weinviertler Kellergasse zum Thema: Eine Partnerschaft der Stadtgemeinde Poysdorf als Projektträgerin gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt, der NÖ Landesregierung und weiteren Stakeholdern aus der Region (Leader-Region Weinviertel Ost, Poysdorfer Kellerakademie, Marktgemeinde Staatz, Weinviertler KellergassenführerInnen) zielt auf die Erforschung, den Schutz, die Erhaltung und die Vermittlung dieses weltweit einzigartigen Kulturerbes. Im Rahmen eines Jahresprogrammes werden verschiedene Aspekte dieses vielfältigen Themas in der gebotenen Vielfalt und Breite am Beispiel besonders charakteristischer Kellergassen behandelt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist etwa die exemplarische wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der Bau- und Nutzungsgeschichte von Kellergassen am Beispiel besonders gut erhaltener Ensembles. Eine verformungsgerechte Vermessung und Darstellung der Objekte samt ihrer Innen- und Außenräume wird dabei als Basis dienen für die bauhistorische Erforschung und Inventarisierung.

Workshops zu Fragen der Erhaltung von Presshäusern und Weinkellern werden sich mit den Themen Architektur der Kellergasse, Fassadensanierung, Lehmbau, Holz und Eisen sowie den alten Obstsorten als Bestandteil des Lebensraumes Kellergasse beschäftigen. Die Workshops werden an ein breites Fach- sowie auch Laienpublikum gerichtet sein. Der Öffentlichkeit zugängliche Veranstaltungen (Lange Nacht der Kellergassen, Offene Baustelle Kellergasse) dienen der Dissemination des Wissens und der Vermittlung der Bedeutung des kulturellen Erbes.

Im Rahmen des Symposiums Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel werden die das Phänomen der Weinviertler Kellergassen als Elemente der Kulturlandschaft bestimmenden Aspekte aus wissenschaftlicher Sicht und aus dem Blickwinkel eines gesamtheitlichen Ansatzes zusammenfassend behandelt werden.

Links:
bda.gv.at/de/eych-2018-europaeisches-jahr-des-kulturerbes-2018/
www.kulturerbejahr2018.at

 

Literatur
G. Eßer: „Die Weinviertler Kellergasse. Prägendes Element der Kulturlandschaft“ -in: Denkmalpflege in Niederösterreich, Band 58 „Gemeinsames Erbe Europa“, Mitteilungen aus Niederösterreich Nr. 5/2018, S. 16-20.

G. Eßer: „Kulturerbe Weinviertler Kellergasse“ -in: Denkmal heute. Denkmalpflege in Österreich, 10. Jahrgang, Ausgabe 1/2018, S. 38-41.

Volkskultur Niederösterreich GmbH (Hrg.): Das Weinviertel. Mehr als nur Idylle, Jahrbuch Volkskultur Niederösterreich, Weitra 2013, ISBN 978-3-99024-338-1

Erich Pello: Wein-Kultur-Wege, Styria Regional, Wien – Graz – Klagenfurt 2013

Axel Hubmann: „Kellergassen“ -in: Denkmalpflege in Niederösterreich, Band 33 „Weinviertel“, Mitteilungen aus Niederösterreich Nr. 4/2005, S. 23.

Christoph Wagner, Lois Lammerhuber: Weinviertel. Natur- und Kulturlandschaft, Wien 1993, ISBN 3-85447-473-3

Kellergassen Kulturlandschaft Weinviertel

Poysdorf, Niederösterreich, Reichensteinhof,    26.-28. Oktober 2018

In der Kulturlandschaft des Weinviertels verbinden sich in harmonischer Weise die einst dem Weinbau dienenden historischen Nutzarchitekturen mit der durch die intensive menschliche Bewirtschaftung überformten Natur und den überlieferten Techniken ihrer landwirtschaftlichen Bearbeitung.

  

Die Kellergassen jeder noch so kleinen Ortschaft sind der sichtbare Ausdruck der über Generationen gewachsenen Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben. Dort wurden seit Jahrhunderten in den Kellerstöckeln die Weintrauben, die man in den nahen Weingärten pflegte und schließlich erntete, gepresst und in einem über lange Zeiträume tradierten und immer wieder verfeinerten Prozess zu Wein verarbeitet. Dieser wurde anschließend in in den anstehenden Löss gegrabenen Kelleröhren in Eichenfässern gereift und kühl gelagert. Doch die Kellergassen waren nicht nur Orte der Arbeit. Ganz nebenbei erfüllten sie den Wunsch nach nachbarlicher Kommunikation, ermöglichten Gemeinschaft, waren Orte gemeinsamen Tuns und Feierns.

Mit den alle Lebensbereiche von Grund auf erfassenden gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte schwand das Interesse an den Kellergassen als den Orten der Verarbeitung und Lagerung der weinbaulichen Erzeugnisse. Presshäuser und Weinkeller verloren ihren ursprünglichen Nutzen und ihre Bedeutung im Leben der Menschen. Allerorten zeigten sich schon bald die Spuren natürlichen Verfalls und aktiver Zerstörung. Zugleich entstand ein neues Bewusstsein für den kulturellen und gesellschaftlichen Wert der Kellergassen und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung und Pflege.

Wie man ihrer identitätsstiftenden Bedeutung für die Menschen im Weinviertel gerecht werden kann, ist Thema eines Regionalprojekts des Bundesdenkmalamtes und seiner Kooperationspartner in der Region Poysdorf. Das Symposium Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel soll in das Thema einführen und einen Anstoß zur Ausarbeitung von Strategien für eine vertiefte gesellschaftliche In-Wert-Setzung und die schonende Erhaltung dieser landschaftsprägenden Kulturdenkmale geben. Denn:

Lebendige Kellergassen in einer intakten, bewirtschafteten Natur- und Kulturlandschaft sind wesentlicher Bestandteil des regionalen kulturellen Lebens und Erlebens. Sie sind das kulturelle, baulich-manifeste Pendant zum Weinbau und Teil der Identität einer Region. Als prägende Elemente der Kulturlandschaft mit Potentialen für die lokale Wirtschaft und einen sanften Tourismus in einer Ruhe und Genuss bereitenden Region können Kellergassen einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes leisten. Die Vermittlung der Eigenarten und Werte des baulichen Bestandes, seiner gesellschaftlichen Bedeutung sowie der Möglichkeiten des Erhalts und der Pflege sind die Basis zur Ausschöpfung gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Potentiale.

 

Info und Anmeldung: Poysdorf Veranstaltungs-Management, Karin Korschan, Email: veranstaltungen@poysdorf.at

 

Nächtigung:
online buchen unter: www.vinoversum.at/poysdorf/online-buchen oder
Vino Versum, Poysdorf Tourismus: Tel. 02552-20371 und info@vinoversum.at

 

 

Literatur

  1. Eßer: „Die Weinviertler Kellergasse. Prägendes Element der Kulturlandschaft mit Potential für Gegenwart und Zukunft“, Tagung „Welt?Kultur!Erbe.Kellergasse“ – Retz, 9. November 2017 (Vortrag)

Netzwerk Denkmale in der Kulturlandschaft. Tagung vom 12.-15. September 2016 in Lienz, Osttirol –in: Österreichisches Bundesdenkmalamt (Hrg.), Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege LXXI 2017 – Heft 4, ISSN_ 0029-9629

  1. Steiger: Den Landschaftswandel gestalten. Überblick über landschaftspolitische Instrumente, Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Wissen Nr. 1611, 2016

WORKSHOPS

Eine Workshop-Reihe zu Fragen der Erhaltung, Restaurierung und objektgerechten Revitalisierung von Presshäusern und Weinkellern wird sich mit den Themen Architektur der Kellergasse, Fassadensanierung, Lehmbau, Holz und Eisen sowie den alten Obstsorten als Bestandteil des Lebensraumes Kellergasse beschäftigen.

8. Juni 2018 Workshop „Lehmarchitektur Kellergasse“, mit R. Meingast, H. Feiglstorfer, F. Ottner (BOKU)

02.-06. Juli 2018   Workshop „Architekturoberfläche/Fassade“ Kellergasse Alte Geringen, mit A. Huber, J. Weissenbach (BDA Mauerbach), R. Meingast, H. Feiglstorfer, F. Ottner (BOKU) … wird verschoben auf das Frühjahr 2019

1.-3. Aug. 2018      Workshop „Holz und Eisen: Kellertür Kellerfenster“, A. Huber und Johannes Mosler (BDA Mauerbach)

3.8. ab 15:00 Uhr „offene Baustelle“

7.-8. Sept. 2018     Workshop „Lehmbau und Lehmputz“, R. Meingast, H. Feiglstorfer, F. Ottner (BOKU);
    7. Sept. ab 15:00 Uhr „offene Baustelle“

   ( im Programm Bezirkswinzerfest Poysdorf 6.-9. Sept.)

Oktober 2018    Workshop „Alte Obstsorten“, Baumschule Robert Schreiber + Natur im Garten (+ BOKU)

 

 

Literatur

Weinviertler Museumsdorf Niedersulz (Hrg.): Lehmbau – Tradition und Modern: Symposium zur Vernetzung von tschechischen, österreichischen und weiteren Fachleuten, Atzenbrugg 2014

THEMEN, die uns besonders bewegen…:

 Obstbau in der Kellergasse

Das besondere kulturelle Erbe des Weinviertels ist die Kulturlandschaft rund um die Kellergassen. Im Einzelnen ist ein Weinkeller ein schlichter einfacher Bau. Gemeinsam mit der dazugehörigen von Menschen geprägten Landschaft, der großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen sind die rund  800  Weinviertler Kellergassen weltweit ein besonderes Juwel, das es zu pflegen, beleben und erhalten gilt.

Köllabam und Köllabirn

Rund um Keller und Presshaus entfaltet sich häufig eine prachtvolle Üppigkeit an Wildfrüchten. Teufelszwirn, Hetscherl, Schlehdorn und Holler gedeihen neben wilden Quitten, Weißdorn, Nüssen, Brombeeren, Vogelkirschen, Kriecherl, Zwetschken und Rainweiden in Fülle. Hunderte Presshäuser und Kellergassen sind geschmückt mit Obstbäumen. Allein in den „Alten Geringen“ in Ketzelsdorf lassen sich vierhundert Obstbäume zählen. Fast alle heimischen Obstsorten sind hier zu Hause – für Mensch und Tier ein kostbares Refugium. Die Weizenbirne, von Bauern „die Köllabirn“ genannt, groß geworden hinter dem Keller, baut sich mächtig auf. Lange bevor man Presshäuser anlegte und Wein in gewölbten Kellern reifen ließ, wurden Obst und Gemüse, Erdäpfel und Futterrüben in Löcherhöhlen und Kellerröhren gelagert. Manche alte Obstbäume lehnen an Kellern oder werfen im Rücken der Presshäuser Schatten auf gemütliche Jausen. Der Siegeszug der Ordnung in Form von Obstkulturen in kontrollierter Zucht hat diese alten heimischen Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Nussbäume in den Kellertriften in das Vergessen gedrängt.  Hochstammbäume mit großen Kronen brauchen viel Platz. Hinter den Presshäusern wird dieser gewährt, auch wenn viele der Bäume nicht mehr dem Zeitgeist entsprechend als gefragt eingestuft werden.

Der Weinberg, der Weingarten, war früher voll von Früchten. Über die Zeit hat sich das Bild eines Weingartens jedoch radikal gewandelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs der Wein noch „im Durcheinander“. Mitten „im Durcheinander“ der Reben gediehen Obst, Gemüse und Gewürzpflanzen, wie Pfirsich, Ribisel, Knoblauch, Kren und verschiedene wilde Erdbeerarten. Der Weingarten war Garten der Vielfalt. Neben so mancher verlassenen Weingartenhütte hat sich Knoblauch und Krenwurzen erhalten.

Neben den Pfirsichbäumen säumen Nussbäume Weingartenreihen oder bewachen Kellerensembles. Mächtige Nussbäume sind landschaftsprägend im Weinviertel, lieben sie doch das Weinbauklima. Ob der Langlebigkeit der Bäume und seiner Früchte sehr geschätzt, gelten sie bei vielen Winzern als der „Kellerbaum“ schlechthin.

 

Literatur

Andreas Spornberger et al.: Der professionelle Obstbaumschnitt, Graz – Stuttgart 2. Aufl. 2016

Heinz Wiesbauer, Herbert Zettel: Hohlwege und Lössterrassen, Eigenverlag 2014

Robert Schreiber, Früchte der Kellergassen, Abschlussarbeit Weinviertler Kellergassenführer, 2003

Georg Schramayr, Horst Nowak: Obstgehölze in Österreich. Ökologie, Landschaft und Naturschutz, Wien 2000

 

Links

www.arche-noah.at

Jahresprogramm Kellergassen Kulturlandschaft Weinviertel – ECHY 2018

Im Rahmen eines vielfältigen Jahresprogrammes sollen die lokale Bevölkerung, EigentümerInnen von Weinkellern in Kellergassen, Multiplikatoren (Kellergassenführerinnen, Schulen, Fachschulen für Weinbau und Tourismus), regionale Stakeholder (Politik, Gemeinde- und Landesverwaltungen, Vereine, Verbände), Wirtschaft (Weinbauern, Tourismusbetriebe, Tourismuswirtschaft) sowie Ortsbild- und DenkmalpflegerInnen, HandwerkerInnen, ArchitektInnen, RegionalplanerInnen und WissenschafterInnen angesprochen werden.

April – Juni
Vermessung und Bauhistorische Untersuchung der Kellergassen in Poysdorf-Ketzelsdorf (Alte Geringen) und Staatz-Ameis (Lehmgstettn) angefragt

2. Mai
Kinder in der Kellergasse, Fortbildung WV Kellergassenführer

11. Mai
Lange Nacht der Kellergassen, Ketzelsdorf KG Alte Geringen

26.-27. Mai
3. Weinviertla Köllamess, Poysdorf Vinoversum

8. Juni
Workshop „Architektur der Kellergasse“, Ketzelsdorf KG Alte Geringen
(NÖ Bauberatung, Agrarbezirksbehörde mit BOKU)

02.-06. Juli
Workshop „Instandsetzung Fassade Kellergasse“, Ketzelsdorf KG Alte Geringen (Bundesdenkmalamt + BOKU)
Den genauen Plan finden Sie hier:
Programm Konzept Workshop Poysdorf Kellergasse Architekturoberfläche 2.-6.7.2018

1.-3. Aug. 2018
Workshop „Holz und Eisen: Kellertür Kellerfenster“, A. Huber und Johannes Mosler (BDA Mauerbach)

3.8. ab 15:00 Uhr
„offene Baustelle“

7.-8. Sept. 2018
Workshop „Lehmbau und Lehmputz“, R. Meingast, H. Feiglstorfer, F. Ottner (BOKU);

7. Sept. ab 15:00 Uhr
„offene Baustelle“

( im Programm Bezirkswinzerfest Poysdorf 6.-9. Sept.)

30. Sept. 2018
BDA – Tag des Denkmals,
Motto: „Schätze teilen“, Kellergasse Radyweg in Poysdorf / Vinoversum Poysdorf

26. – 28.10.2018
Symposium „Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel“, Poysdorf, Reichensteinhof, Liechtensteinstraße 1; Veranstalter: BDA mit Gemeinde Poysdorf, Poysdorfer Kellerakademie, Land NÖ Kultur

Kellergassen Kulturlandschaft Weinviertel

KELLERGASSEN

Der Weinbau im niederösterreichischen Weinviertel besitzt eine jahrhundertealte Tradition. Er hat die wirtschaftliche Entwicklung der Region geprägt und tut es noch heute. Bereits mit den Römern kam der Weinbau nach Österreich. Seit dem Mittelalter waren es dann die großen Klöster und Stifte und die adeligen Grundherren, die den Weinanbau, die Kelterung und den Handel entwickelten und kultivierten. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weines für den Landesausbau war enorm: So erlebte im 16. Jahrhundert der Weinbau einen historischen Höhepunkt, als die Weinbauflächen im Gebiet des heutigen Niederösterreich etwa doppelt so groß waren wie heute. Die Reformbestrebungen Maria Theresias und Josef II. brachten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen Wandel hin zur Verbäuerlichung des Weinbaus, indem den Bauern eigener Besitz und selbstständiges Wirtschaften in bis dahin unbekanntem Maß zugestanden und ermöglicht wurde. Dieser hat einen noch heute prägenden, baulich manifesten Abdruck im regionalen Landschaftsbild hinterlassen hat.

Kulturlandschaft. Zeugnis dieser historischen Entwicklung sind die für die Kulturlandschaft des Weinviertels bedeutenden Kellergassen. Deren Lage an den Dorfrändern oder inmitten der Rieden generiert bauliche Zäsuren im harmonischen Miteinander der bewirtschafteten Flächen und der in den Niederungen liegenden Siedlungen. Etwa 1.100 Kellergassen mit ihren rund 37.000 Objekten zählt dieser in besonders großer Zahl auf dem Gebiet des Weinviertels, Österreichs größtem Weinbaugebiet, verwirklichte Siedlungsbautypus. Zwar kommen Kellergassen auch in den angrenzenden Regionen im niederösterreichischen Zentralraum, entlang der Thermenlinie, im nördlichen Burgenland, in den südlichen Teilen Böhmens und Mährens, sowie in einigen Weinbauregionen der Slowakei, Ungarns und Sloweniens vor. Nirgends jedoch sind sie in einer vergleichbaren, den Landschaftsraum gestaltenden Dichte allgegenwärtig: Auf die etwa 550 heute bestehenden Ortschaften des Weinviertels entfallen durchschnittlich je zwei Kellergassen mit jeweils über 60 Kellern. Dieses außergewöhnliche Kulturerbe geht hier deshalb jeden etwas an!

Kellergassen der Region Poysdorf. Allein die Gemeinde Poysdorf zählt 30 Kellergassen mit über 1000 Presshäusern. In der Nachbargemeinde Staatz liegen 15 solcher Anlagen. Ein wesentlicher Bestandteil des Projektvorhabens im Kulturerbejahr der Europäischen Union ist die exemplarische wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der Bau- und Nutzungsgeschichte von Kellergassen am Beispiel besonders gut erhaltener Ensembles. Eine möglichst lückenlose, verformungsgerechte Vermessung und Darstellung der Objekte samt ihrer Innen- und Außenräume wird dabei als Basis dienen für die bauhistorische Erforschung und Inventarisierung. Als Forschungsobjekte wurde zwei Kellergassen ausgesucht, die sich durch ihre einzigartige suggestive Wirkung im Zusammenklang der sie umgebenden Landschaft auszeichnen:

Die Kellergasse Alte Geringen in Poysdorf liegt etwa 1300 m südlich der Katastralgemeinde Ketzelsdorf. Sie ist eine einseitig bebaute, an einem hangparallelen Wirtschaftsweg errichtete etwa 800 m lange Anlage. Bei einem nur geringen Höhenunterschied von 25 m zum Talboden bietet sie einen grandiosen Blick in das weite, auch heute noch weinbaulich genutzte Tal des Poybachs rund um Poysdorf. Die rund 50 erhaltenen historischen Weinkeller mit Presshäusern wurden nachweislich bereits vor 1820 errichtet. Die lange Zeile der Presshäuser und Weinkeller begleitet eine aus Nuss- und Kirschbäumen bestehende Allee. Die hinter den Presshäusern gelegenen Gärten ziert ein bemerkenswerter Bestand von rund 400 Obstbäumen alter, kulturhistorisch bedeutsamer Sorten. Die Kellergasse Alte Geringen ist im Kulturerbejahr 2018 Ort verschiedener kultureller Veranstaltungen und Feste.

Die Staatzer Kellergasse Loahmgstett`n liegt etwa 1200 m südöstlich der Ortschaft Ameis im Rosengrund. In Fachkreisen wird sie als eine der schönsten Kellergassen des Weinviertels gehandelt. Ihre Lage auf einem bewaldeten Hügel rund 40 m oberhalb des Dorfes determiniert die durch ein verschlungenes Wegesystem gekennzeichnete Anlage eines Kellerdörfls mit 67 Kellern. Ein langgestreckter, in einem Hohlweg errichteter Ast mit 23 Kellern bildet eine Erweiterung der Kellergasse nach Süden. In der Karte des franziszeischen Katasters aus dem Jahr 1821 wurden 43 der heute 90 Kellerstandorte verzeichnet. Die lebendige Gemeinschaft der Kellereigentümer organisiert in regelmäßigen Zeitabständen Feste und Veranstaltungen in der Kellergasse.

 

 

Literatur

Wolfgang Paar, Johannes Rieder (Hrg.): Weinviertler Kellerleben, Edition Winkler-Hermaden, Schleinbach 2017

Wolfgang Krammer, Johannes Rieder: Weinviertler Kellergassen – Unsterblicher Kulturschatz, Edition Winkler-Hermaden, Schleinbach 2014

Bernd Anwander, Cordula Loidl-Reisch: Kellergassen in Österreich – Ein Führer zu 325 Orten in den Weinbaugebieten, Falter Verlag, Wien 1989

Peter Kenyeres, Manfred Jasser: Kultur der Kellergasse, Schriftenreiohe „Das Weinviertel“, Heft 4/5, Eigenverlag Kulturbund Weinviertel 1980

WEIN+TRAUBEN Welt  – Erlebnis rund um Rebe, Traube und Wein

Entdecken Sie in der Traubenhalle den Mythos Traube, wandern Sie durch eine alte Kellerröhre zum barocken Bürgerspital aus dem 17. Jhdt. und  reisen Sie  interaktiv durch die Geschichte der Weinstadt. Das idyllische Freigelände mit seinen Presshäusern und Weinkellern gibt Einblicke in die Hauerarbeit von einst. Die Entwicklung des Weinbaus sehen Sie im einzigartigen Pressenmuseum.

Sonderausstellung „KELLER.KULTUR.ERBE“

Die jährlich wechselnde Sonderausstellung im Untergeschoss des Bürgerspitals ist im Jahr 2017 den „Weinviertler Kellergassen“, den typischen „Dörfern ohne Rauchfang“ gewidmet. Erfahren Sie Wissenswertes über die Geschichte der Weinkeller sowie der Weinlagerung, über die Entwicklung und Nutzung der Weinkeller sowie das Entstehen der Kellergassen.


Weiterführende Literatur

Günther Fuhrmann, Wolfgang Galler: Keller.Kultur.Erbe – Vom ersten Weinkeller bis zu den Kellergassen im Weinviertel, Driesch Verlag, Drösing 2017

Info – Weinkeller richtig erhalten

Architekt Prof. Helmut Leierer aus Hollabrunn und DI Christian Kalch vom Gebietsbauamt des Landes Niederösterreich waren in den letzten Jahrzehnten wichtig Wegbereiter und Vorreiter für die artgerechte Erhaltung der Weinviertler Kellergassen.
Sie haben Grundlagen für die richtige Erhaltung der Kellergassen aufbereitet und damit auch Kellerbesitzern eine gute Grundlage gegeben, wie ein Weinkeller erhalten werden soll.
Auf Ihre Unterlagen aufbauend wollen wir im Rahmen des Projektes auch Richtlinien für Baumaßnahmen an Presshäusern erarbeiten. Es ist wichtig auch Weinkeller und Presshäuser den Bedürfnissen der heutigen Zeit anzupassen. Es ist aber auch wichtig, den Charakter und die besonders Struktur der Kellergasse zu erhalten.
Hier wollen wir mit unserer Unterlage eine Hilfestellung bieten.

Presseberichte und Veröffentlichungen

Niederösterreich Nachrichten 21.02.2018

Niederösterreich Nachrichten 23.03.2018

Denkmal Heute 12.06.2018

Niederösterreich Nachrichten 13.06.2018

Denkmalpflege in Niederösterreich

NÖ Gestalten

SERVUS Magazin

Projektträger

Stadtgemeinde Poysdorf, Josefsplatz 1, 2170 Poysdorf, Web: www.vinoversum.at, Kontakt: Werner Kraus, Mail: krauswerner@aon.at, Tel. 0664-8181802

Mitglieder der Steuerungsgruppe (alphabetische Reihenfolge):

Gerold Eßer, Bernd Euler, Daniel Fröschl, Hermann Fuchsberger, Jochen Glanznig, Andreas Glaser, Thomas Grießl, Bernhard Hugl, Christian Kalch, Werner Kraus, Manfred Leisser, Rudolf Lenk, Joachim Maly, Wolfgang Paar, Manfred Parisch, Johannes Rieder, Johanna Schreiber, Erhard Seiser

 

Projektpartner

Bundesdenkmalamt, Abt. für Niederösterreich, Hoher Markt 11, 3500 Krems an der Donau, Web: www.bda.gv.at, Verantwortlich: DI Dr. Gerold Eßer, Tel. 0676-88325-427, Mail: gerold.esser@bda.gv.at

Poysdorfer Kellerakademie + Verein Weinviertler KellergassenfüherInnen, Web: www.kellerakademie.at/, Verantwortlich: Dr. Joachim Maly, Mail: post@kellerakademie.at

Stadtgemeinde Poysdorf, Josefsplatz 1, 2170 Poysdorf, Web: www.poysdorf.gv.at, Verantwortlich: Bgm. Thomas Grießl, Mail: gemeinde@poysdorf.gv.at

Marktgemeinde Staatz, Neudorfer Straße 7, 2134 Staatz, Web: www.staatz.at, Verantwortlich: Bgm. Daniel Fröschl, Mail: marktgemeinde@staatz.gv.at

 

Workshops

Bundesdenkmalamt, Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege – Kartause Mauerbach, Kartäuserplatz 2, 3001 Mauerbach, Kontakt: Mag. Astrid Huber-Reichl, Tel. 0676-88325-501, Mail: astrid.huber@bda.gv.at, Web: bda.gv.at/de/ueber-uns/fachbereich/baudenkmalpflege-kartause-mauerbach/

Universität für Bodenkultur, Institut für angewandte Geologie, Lehmbau-BOKU, Peter-Jordan-Straße 82, 1190 Wien, Kontakt: DI Dr. Hubert Feiglstorfer, Tel. 0699-81205978, Mail: hubert.feiglstorfer@gmail.com, Web: cs-lehmbau.boku.ac.at/

Poysdorfer Kellerakademie + Verein Weinviertler KellergassenführerInnen, Kontakt: Dr. Joachim Maly, Mail: post@kellerakademie.at, Web: www.kellerakademie.at/

Baum- und Rebschule Schreiber, Poysdorf, Web: www.schreiber-baum.at

Arche Noah, 3553 Schiltern, Kontakt: DDI Elisabeth Schüller, Email: elisabeth.schueller@arche-noah.at, Web: www.arche-noah.at

Natur im Garten, 3430 Tulln, www.naturimgarten.at/

Universität für Bodenkultur, Abt. Wein- und Obstbau, Kontakt: Ass.Prof. DI Dr. Andreas Spornberger, Email: andreas.spornberger@boku.ac.at

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